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Mitgliederversammlung 2017

Mitgliederversammlung am Dienstag, 28. November 2017 bei der Firma J. Kotte Landtechnik GmbH & Co. KG

 

LandBauTechnik Handwerks- und Handelsverband Niedersachsen e.V. | Die Ausbildung der Lehrer, Digitalisierung und die aktuelle Ausbildungssituation waren Themen der diesjährigen Mitgliederversammlung. Die Branche blickt hoffnungsvoll in das nächste Jahr, die Investitionslaune der Kunden steigt. In diesem Jahr war der Landesverband bei der Firma Kotte in Rieste zu Gast.

Zu Beginn der Mitgliederversammlung begrüßte Helmut Böse, Vorsitzender des LandBauTechnik Handwerks- und Handelsverband Niedersachsen e.V. die Anwesenden. Besonders freute er sich, dass der komplette Vorstand in diesem Jahr anwesend war.

Als erster Redner stellte Dr. Stefan Kotte sein Unternehmen vor. Das 1892 vom Großvater gegründete Unternehmen konnte in diesem Jahr sein 125 jähriges Bestehen feiern. 1967 wurden die ersten Güllewagen gebaut. 1998 ist Dr. Stefan Kotte in die Unternehmensführung eingestiegen.

Neben der Güllefassproduktion, vom Einachser bis zum Vierachser und Transportfässern, gibt es einen Landmaschinenhandel mit den Traktorenmarken Case IH und Steyr. Das Vertriebsgebiet wurde 2010 erweitert. 2016 konnte der Fachhandelsbetrieb den AGRARTECHNIK Service-Award gewinnen. Im Bereich Gülletechnik setzt Kotte auf Lean Produktion: Spezialisierte Zulieferer fertigen hochwertige Komponenten wie Fässer, Achsen, Pumpen oder die Applikationstechnik. Kotte stellt aus diesen individuell zugeschnittene Fässer für die Kunden zusammen.

Sein Vortrag zum Thema „Techniktrends in der Gülletechnik unter veränderten politischen Rahmenbedingungen erläuterte die Auswirkungen der Düngeverordnung auf die Technik zur Gülleausbringung und das zu erwartende Investitionsverhalten der Landwirte und Lohnunternehmer. Problem sei, so Dr. Kotte, dass Deutschland unter den sechs EU-Ländern mit dem höchsten Stickstoff-Salden sei. Nitrat sei neben Phosphat hauptverantwortlich für die Eutrophierung von Gewässern. Er erläuterte die Düngeverordnung und wies darauf hin, dass nach dem 1. Februar 2020 auf Ackerland die Gülle nur noch streifenförmig ausgebracht werden darf. Zum Einsatz kämen dann wohl nur noch Schleppschlauch-/Schleppschuhverteiler oder höherwertige Ausbringtechnik. Die Verbringungsverordnung beinhaltet Aufzeichnungspflichten für Abgeber, Transporteure und Abnehmer von Gülle.

Weitere Techniktrends sind seiner Ansicht nach der Einsatz von NIR-Sensoren, um die Inhaltsstoffe der Gülle direkt am Fass feststellen zu können. Der Einsatz des Sensors könnte in den nächsten Jahren vorgeschrieben werden. Zudem wachsen die Anforderungen an die Dokumentation. Dafür bietet Kotte beispielsweise die App Smart Control for IPad an. Dr. Stefan Kotte betonte, dass die Fachhandelsbetriebe bei der Rücknahme alter Güllefässer aufpassen müssen: „Gerade kleine Fässer mit 6 000 bis 7 000 Liter Volumen gehen dann in Richtung Schrottpreis. Bei einer Nachrüstung alter Fässer ist eine Freigabe des Fassherstellers notwendig. Sonst wird der Händler zum Hersteller und ist haftbar.  Eine Betriebsbesichtigung rundete die Firmenpräsentation ab.

 

 

Ausbildungszahlen

Helmut Böse ließ das Jahr 2017 kurz Revue passieren. In der Handwerksrolle sind bundesweit 5675 Landtechnikbetriebe eingetragen, davon bilden 3 360 aus. Die Zahl der Lehrlinge ist 2016 leicht zurück gegangen, um 0,6 Prozent auf 7 634. „Die Zahl der Lehrlinge im 1. Ausbildungsjahr sinkt in den alten Bundesländern“, stellte Helmut Böse fest. Die Anteile der Mädchen (1,35 Prozent) und Jugendlichen ohne deutschen Pass (0,75 Prozent) sind immer noch sehr gering.  Der Anteil der Realschüler und Abiturienten steigt, während die Zahl der Hauptschüler im Gewerk zurückgeht. Die Zahl der Gesellenprüfungen ist um 7,1 Prozent gestiegen, bundesweit auf 1 892 (Vorjahr 1 766). Die Zahl der Meisterprüfungen stieg 2016 bundesweit um 14,6 Prozent. In Niedersachsen gab es 61 neue Landmaschinenmechaniker-Meister.

Für die Ausbildung zum Servicetechniker soll mehr Werbung gemacht werden. „Die Gesellen gehen mehr zu den Meistervorbereitungskursen und nicht zu den Servicetechniker-Kursen“, merkte Robert Leisenz, Leiter Kompetenzzentrum Nutzfahrzeugtechnik in Lüneburg, an. „Wenn alle ihren Meister haben, gibt es in den Betrieben ein Luxusproblem.“

Im August 2017 haben eine Vorstandssitzung mit den Obermeistern der Innungen und eine Fortbildung für Berufsschullehrer stattgefunden. Der Landesverband hat sich auch wieder an der Ideen Expo in Hannover beteiligt. Dort hatte man gemeinsam mit der BFA Lüneburg und Claas einen Stand. Insgesamt amen rund 360 000 Jugendliche zur Ideen Expo.

Für das Stipendium für Meisterschüler in Lüneburg gab es in diesem Jahr 14 Bewerbungen. Zugesprochen wurde es Justin Deppe, der als ausgebildeter Servicetechniker und mit seiner Auslandserfahrung der qualifizierteste Bewerber war.

Zum Schluss seiner Ausführungen wies Helmut Böse auf die Vorstandswahlen im nächsten Jahr hin, bei der einige Amtsinhaber, ihn selbst eingeschlossen, nicht zur Wiederwahl antreten werden.

Positive Investitionsstimmung

Von gestiegenen Investitionsabsichten bei Landwirten und Lohnunternehmern konnte Heinz Gartelmann, stellvertretender Vorsitzender des LandBauTechnik Handwerks- und Handelsverband Niedersachsen e.V., berichten. Umfragen haben ergeben, dass 31 Prozent der Landwirte ihre wirtschaftliche Lage sehr gut bis gut und 50 Prozent als befriedigend beurteilen. „Investitionen werden durch das niedrige Zinsniveau begünstigt“, so Heinz Gartelmann.

„Wir müssen in den nächsten Jahren auch bei Wartung und Service Geld verdienen“, betonte Gartelmann. „Die Arbeitslosenquote sinkt und wir müssen zusehen, dass wir Fachleute für unsere Werkstätten bekommen und halten. Das wird zur Folge haben, dass auch die Löhne steigen. In der Folge müssen wir alles daran setzen, auch die Stundenverrechnungssätze in den Werkstätten anzuheben.“

Als wichtigen Faktor der Nachwuchswerbung bezeichnete Ludger Gude die Werkstatt live auf der Agritechnica. Sie sei eine Erfolgsgeschichte. Die DLG sponsert den Messeauftritt mit einer sechsstelligen Summe.

 

Digitalisierung

Karl Lehne, Geschäftsführer LBT Niedersachsen, stellte fest, dass das Projekt Kommunikation sehr gut läuft. Die Teilnehmerzahlen stimmen. Es gebe mehr Teilnehmer aus dem Landtechnikbereich als aus dem Metallhandwerk. „Das Coaching wird in den Betrieben genutzt“, betonte Lehne. Jetzt möchte er für ein neues Projekt Fördermittel einwerben, für das Thema Digitalisierung. „Es gibt keinen anderen Bereich, der so viel mit Digitalisierung zu tun hat wie die Landtechnik und die Landwirtschaft“, so Lehne. Dabei gebe es viele Fragen: Was macht Digitalisierung? Was hat sie schon gebracht? Was macht sie jetzt und künftig mit den Menschen?

Der Verband Metall hat einen neuen Mitarbeiter, Karsten Finn. Er ist für die Beratung der Betriebe bei Nachfolgeregelungen zuständig. Seit zehn Jahren ist er in diesem Bereich tätig und rät allen, sich rechtzeitig mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Gunnar Niggemannn, Berufsschullehrer an der BBS in Burgdorf, berichtete von der größten Fahrzeugtechnikschule in Niedersachsen. Sie sei auch Zentrum für E-Mobilität. Im Pkw- Bereich bekommen die Gesellen mit der Prüfung ihren Hoch- voltschein, die Landtechniker nicht. Hier müssen Gespräche geführt werden.

Es gebe immer mehr neue Technologien. Können die Schulen hier die Ausbildung leisten?“, fragte Niggemann. „Wer bildet die Lehrer fort? Es wird allgemein bundesweit zu wenig in Bildung investiert. Wenn es so weiter geht, fahren wir das duale Bildungssystem gegen die Wand. Hier ist die Politik gefordert, mehr Geld in diese Richtung zu lenken.“ Karl Lehne stellte den alten und neuen Kassenbericht vor. Vorstand und Kassenführung wurden entlastet. Der Basisbeitrag wird um zehn Euro erhöht. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

Jörg Rath-Kampe
Redakteur AGRARTECHNIK